Rolf Schneider – der Tango Argentino Papst

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Die Tango Argentino Szene in der Schweiz ist gross und bereits über Jahrzehnte sehr beliebt. Vom Anfängerkurs bis zum internationalen Spezialisten-Workshop findet fast jede Ausbildungsmöglichkeit. In zahlreichen In-Lokalen werden regelmässig Milongas angeboten um die Tango-Leidenschaft auszuleben.
Mitten drin: Rolf Schneider
Er hat die Szene unermüdlich aufgebaut und immer wieder geprägt. Wer Tango tanzt, kennt Rolf Schneider. Wir haben uns mit ihm über Hintergründe und Erfolgsgeheimnisse unterhalten.

 

Das Interview mit Rolf Schneider führte
Walter Varisco, Präsident, TanzVereinigung Schweiz TVS

 

 

Wann und warum hast du mit Tanzen begonnen?

Als 10-jähriger war ich an Sonntagnachmittagen immer DJ, wenn meine Schwestern mit ihren Freunden den Tanzkurs-Lehrstoff in der guten Stube übten.

Meinen ersten Tanzkurs besuchte ich mit 16. Tanzen begeisterte mich von Anbeginn.

 

Wie entwickelte sich deine Tanzkarriere?

Mit 17 kam ich nach Winterthur und trat in den damaligen Tanzclub Winterthur ein. Ich hatte das Glück, dass dieser Club von Walter Kaiser, dem späteren Weltmeister geleitet wurde. Dieser motivierte mich Tanzen als Turniersport zu betreiben. Dies tat ich dann auch bei meinen längeren Aufenthalten in Deutschland und in Südafrika.

Um mein Studium als Bauingenieur und Architekt zu finanzieren liess ich mich im Zeeta Studio (Alex Moore, Guy Howard und Elizabeth Romain) in London (Kingston-on-Thames) zum Tanzlehrer ausbilden.

Damals existierten im Zentrum von London noch Tanzhallen, in denen man Ballroom Dancing mit wechselnden Partnern pflegen konnte. Das entwickelte meine Liebe zum Spiel des freien Führens und Folgens.

Mein letztes Turnier tanzte ich 1968 in Johannesburg, wo ich vier Jahre lebte. Dort kam auch mein Sohn zur Welt.

Nach meiner Rückkehr nach Zürich unterrichtete ich über Jahre im Akademischen Tanzclub Zürich (ATZ). Parallel dazu übernahm ich Funktionen im Tanzlehrerverband SwissDance und absolvierte die Diplomtrainer-Ausbildung in Magglingen.

 

Man nennt dich den Tango Argentino Papst. Wie kam es dazu?

Es begann 1982. René Stocker vom ASVZ (Akademischer Sportverband Zürich) machte mir den Vorschlag, einen Tango-Argentino-Kurs für den ASVZ anzubieten. Die Suche nach authentischer Musik und authentischer Tanztechnik gestaltete sich schwieriger, als ich mir vorstellte und zog sich über Jahre hin.

Um den vielen Tango-Interessierten einen Treffpunkt zu bieten, eröffnete ich die erste wöchentliche Milonga im Drahtschmidli (heute Dynamo).

 

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Warum gerade Tango Argentino?

Die Entwicklung im Tanzsport führte dazu, dass die Kunst des Führens und Folgens an Bedeutung verlor. Nur noch starre Choreographien, die oft ohne Wohlbefinden getanzt werden, führten zum sportlichen Erfolg. Dies machte mich traurig und als Tanzsporttrainer lustlos, obwohl ich die Entwicklung einer biomechanisch klaren Tanztechnik als wertvolle menschliche Errungenschaft betrachte.

Während ich in den Londoner Tanzhallen noch standardisierte Figuren nach Belieben passend aneinanderfügen konnte, ermöglicht mir der Tango Argentino nach jedem Schritt etwas anderes – ungewohntes – zu tanzen. Improvisiertes Tango-Tanzen kennt keine Grundschritte und das macht Freude.

 

Wie hat sich TA in all den Jahren entwickelt?

Inzwischen haben sich in allen Grossstädten der Welt die unterschiedlichen Tango-Stile der Stadtteile von Buenos Aires etabliert. Sie konkurrieren ideologisch und wirtschaftlich miteinander und führen bei Interessenten zu Unsicherheiten.

 

Was sind die Trends?

Das Tango-Tanzen wird mit Sicherheit ein Bestandteil unserer Tanzkultur bleiben und der Anteil von Hedonisten wird dabei immer grösser sein, als der von ambitionierten Paaren. Als Turniersport findet man den Tango Argentino fast nur in Buenos Aires. Es sind Selektionsveranstaltungen, die Nachwuchspaaren die Welt öffnen.

 

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Wie viele Tango Paare/Tänzer schätzt du in der Schweiz?

Da bin ich überfragt.

In Zürich werden täglich Tanzmöglichkeiten angeboten zu denen jeder Mann und jede Frau alleine hingehen kann. Viele davon sind sehr gut besucht.

 

Was oder wie ist der beste Einstieg?

Man sollte in einen sehr guten Tango-Salon gehen und sich anschauen, wie das dort abläuft. Dann muss man sich entscheiden, ob einem die Musik anspricht und ob man bereit ist, mit verschiedenen Partnern zu tanzen. Dann entscheidet man sich für einen Kurs oder für Privatstunden bei einer erfahrenen Tango-Lehrerin oder einem erfahrenen Tango-Lehrer und reserviert sich zusätzlich Zeit zum selbständigen Üben.

Wenn man immer mit dem gleichen Partner tanzt entwickelt sich eine Pseudoführung, d.h. eine Zeichensprach, die nur der eigene Partner versteht und die keine physikalische Logik hat.

 

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Empfehlung für Single-Tänzerinnen…. Wann, wo, wie?

  • Einige Privatstunden bei einem Tango-Lehrer, der auch ein sehr erfahrener Salontänzer ist.
  • Weiblichen Charm entwickeln
  • attraktives weibliches Äusseres
  • Freunde bitten mitzukommen
  • In Partnersuche-Plattformen eintragen

Meine Tipps gelten natürlich auch für Männer – nur sollten diese nicht weiblichen Charm entwickeln…(lacht).

 

Existiert in der argentinischen Tango Szene eine Kinder/Jugendszene?

Leider nicht bei uns.
In südlichen Ländern und auch in Argentinien wird oft im Verwandtenkreis getanzt.

Man trifft sich in Gemeinschaftszentren oder Hinterhöfen und gibt die Fähigkeit zu tanzen generationenübergreifend weiter.

 

 

Warum soll ich Tango tanzen?

Ich geniesse den Tango Argentino, der taktile Kommunikation ist, weil er für mich eine permanente geistige, körperliche und emotionale Herausforderung ist.

Körperlich, weil dabei Balance, Geschicklichkeit und Ausdauer gefragt sind. Die permanente Navigation im vollen Saal erfordern Aufmerksamkeit und schnelle Reaktionen. Als Folge vergisst man sofort alle Alltagsprobleme.

Eine emotionale Herausforderung ist die ungezwungene, generationenübergreifende Genderbegegnung. Sie ermöglicht eine soziale Einbettung und fordert ununterbrochene Sensibilität.

 

Lieber Rolf, ich wünsche dir, dass du dein Leben lang die Tango-Szene bereichern darfst!

 

Weitere Infos über die Tango-Szene in der Schweiz findet ihr hier.

Tango ArgentinoTanzschulen findet ihr im Tanzschul-Verzeichnis der TanzVereinigung Schweiz

 

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123 2 Comments on “Rolf Schneider – der Tango Argentino Papst

  1. Lieber Rolf
    Ganz interessant Deinen Werdegang zu lesen. Wir denken ab und an mal wieder an die schöne Zeit mit Dir und ganz speziell zurück an unsere Feier zum 50. Geburtstag im Albishaus mit Deiner Aufführung und dem Wecken meiner Begeisterung für den Tango. Wir sind nun in den Thurgau gezügelt und andere Interessen haben das Tanzen verdrängt (leider). Sigi und ich wünschen Dir noch viele schöne Stunden und senden liebe Grüsse

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