Von der Vorstellung zum Können…

brain-820Tanzen ist gesund, das hat mittlerweile auch die Wissenschaft begriffen. Zahlreiche Studien belegen mit eindrücklichen Zahlen, was wir schon lange wissen.
Schauen wir uns nur unsere Senioren III an! Nicht nur körperlich sind sie manchem Gleichaltrigen sichtbar überlegen, auch geistiges Zurücklehnen kommt für die meisten nicht in Frage. Nun, das ist zwar eine schöne Perspektive für alle, die sich noch in den unteren Alterskategorien tummeln, aber im gegenwärtigen Zeitpunkt meistens nicht wirklich relevant. Viel mehr interessiert doch, wie sich alle diese tollen Erkenntnisse im Tanztraining umsetzen lassen. Wollen wir uns nicht alle stetig verbessern? Schliesslich sind wir grad in einer etwas ruhigeren Trainingsphase, wo es sich gut an Grundsätzlichem arbeiten lässt, bevor sich dann die alljährlichen Höhepunkte wieder jagen.

Nehmen wir die Vorstellungskraft als Beispiel. Bekanntlich arbeitet unser Hirn auch dann, wenn wir uns nur vorstellen, eine bestimmte Schrittfolge zu tanzen. Ob wir es wirklich tun, oder nur so tun als ob macht für unser Hirn keinen Unterschied. Welchen Nutzen können wir daraus für uns ziehen? Viele Schweizer Tanzpaare verfügen nicht über uneingeschränkte Trainingszeit. Wie lange ausländische Paare, oft täglich, im Trainingssaal stehen, davon können die meisten Paare hierzulande nur träumen. Nun, wenn wir, wie die Studien besagen, auch durch die reine Vorstellung die selben Hirnregionen aktivieren können, welche Momente in unserem Alltag könnten wir dann also als zusätzliche Trainingszeit nutzen? Ich bin überzeugt, jeder kann in seinem Leben einige solche Zeiten identifizieren. Hast du manchmal bei deiner Arbeit Aufgaben zu erledigen, die nicht wirklich deine volle geistige Aufmerksamkeit benötigen? Langweilst du dich dann und wann an unnützen Sitzungen, wo wieder nur warme Luft produziert wird? Bist du mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs? Super! Alles Momente, in denen keiner beim Trainieren in der Vorstellung stört. Und ich bin überzeugt. Beim genauen Hinsehen findet jeder noch weitere Möglichkeiten in seinem Alltag, in denen sein Hirn nicht voll ausgelastet ist. All diese leeren Zeiten können zum Training genutzt werden, um das eigene Tanzen zu verbessern!

Trainieren in der Vorstellung, wie soll das denn funktionieren?

Nun, da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Denn nur wenn wir genaue Vorstellungen davon haben, was wir während des Tanzens eigentlich zu tun haben, können wir das in der Realität auch ausführen. Schon Wolfgang Opitz, vor langer Zeit auch Kadertrainer in der Schweiz, liess uns unsere Programme in Gedanken durchtanzen. Versuche es! Klappt das? Weisst du wirklich und in jedem Moment, was du da genau für Bewegungen machen willst, respektive sollst? Wie es sich anfühlt, welche Schritte und Körperbewegungen nötig sind, um das Gewünschte auszuführen? Und dann schau mal. Wie lange hast du benötigt, um durch ein Programm durchzutanzen? Eineinhalb Minuten oder doch wesentlich mehr? Wenn dein Hirn also so lange braucht für ein Programm, das du im Trainingssaal doch durchtanzen kannst, wie viele unscharfe Stellen gibt es dann, durch die du dich in der Realität mehr oder weniger durchwurstelst? Von denen du keine genaue Vorstellung hast, was du da eigentlich genau tun möchtest oder solltest? Vielleicht schaffst du es, diese Stellen für dich zu erarbeiten. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass es eben diese Stellen sind, die du mit deinem Trainer genauer anschauen solltest. Hier liegt Verbesserungspotential!

Diese Technik kann man übrigens auch anwenden, um sich neue Schrittkombinationen einzuprägen. Nur fünf Minuten, zum Beispiel vor dem Einschlafen reichen und du wirst dir neue Programme wesentlich schneller merken können und sie durchtanzen können.

Dies sind nur einige Möglichkeiten, die eigene Vorstellungskraft zu nutzen. Weitere Betätigungsfelder sind in der Paararbeit zu finden, später dann in der Turniervorbereitung und -durchführung. Denn auch am Turnier lässt sich durch Training der eigenen Vorstellungen vieles verbessern! Dies ist allerdings eine weit individuellere Arbeit, welche die Begleitung durch eine ausgebildete Fachperson sinnvoll macht.

Übrigens haben weitere Studien auch gezeigt, dass die Vorstellung alleine nicht reicht. Nur wenn Vorstellung und physisches Training zusammen kommen, wird der maximale Erfolg erzielt. Trainieren in der Vorstellung ist also keine Entschuldigung dafür, Trainings zu schwänzen!


Sabine Bräuer, Master-Trainerin IANLP, wingwave®-Coach, kann als ehemalige 10-Tanz- und Step-Tänzerin auf langjährige Trainings- und Wettkampf-Erfahrungen aufbauen. Sie betreut heute erfolgreich Schauspieler, Sänger und Sportler.
Details unter: www.braeuercoaching.ch

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