Walti Kaiser: Eine Tanz-Legende hat uns verlassen

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Der 85-jährige Latein-Weltmeister, Europameister und Blackpool-Sieger ist am Samstag, 24. September 2016 in Steinmaur gestorben.
Mit ihm verliert die Tanzscene eine charismatische Persönlichkeit und einen der letzten grossen Tänzer der 50er- und 60er-Jahre. Er war nicht nur international als Tänzer und Trainer sehr erfolgreich. Auch in der Schweiz hat er mit seiner Trainertätigkeit, seiner Tanzschule und seiner TV-Sendung „Darf ich bitten?“ Generationen von Hobby- und Turnierpaaren geprägt.

 

 

Der zweite Latein-Sieg in Blackpool!  Hier mit Peter Eggleton & Brenda Winslade, die Sieger des Ballroom.

Der zweite Latein-Sieg in Blackpool!
Hier mit Michael & Monica Needham-Dunsford, die Sieger des Ballroom.

Walter Kaiser und hat mit seiner damaligen Frau und Tanzpartnerin Marianne Kaiser-Kopf ab 1958 die internationale Tanzwelt erobert. Neben den erwähnten grossen Titel waren sie gemeinsam 3-fache Blackpool-Finalisten, 5-fache EM-Finalisten und 7-fache WM-Finalisten. Sie vermochten sich sogar gegen die grossen Stars der damalig bestimmenden englischen Tanzscene, mit Bill & Bobbie Irvine und Walter Laird & Lorraine Reynolds durchzusetzen. Das sind jedoch nur wenige Fakten über das ereignisreiche Leben des ehemaligen Confiseurs aus Murten, der auszog um mit grösster Beharrlichkeit die Tanzwelt zu erobern.

Michael & Evelyn Scherer haben bereits 2004 eine hervorragende Reportage und Hommage an Walti & Marianne Kaiser verfasst. Mit integriert ist auch fast der ganze Lebenslauf von Walti Kaiser.
Mit freundlicher Genehmigung werden wir auf dance! in den nächsten Wochen diese Reportage mit mehreren Teilen erneut publizieren.
Hier geht es zum 1. Teil „Hommage für Walter & Marianne Kaiser“

Alle folgenden Teile findet ihr jeweils in der Rubrik „History„.

 

 

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Walter Kaiser wurde nun am Sonntag, den 2. Oktober im Freundeskreis mit einer Gedenkfeier im Silbando von Nora, seiner Frau und Boris, seinem Sohn, verabschiedet.

Für alle ehemaligen Tanzschüler, seine Berufskollegen, Freunde und Tanzbegeisterte lädt die von Walter Kaiser gegründetet KAISER TANZSCHULE zu einem Abschiedstrunk am Donnerstag 6. Oktober 2016 zwischen 14:00 und 17:00h ein.

 

 

 

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Tanzgeschichten mit Walti Kaiser

Vor 16 Jahren habe ich Walti in Moulézan in Südfrankreich in seinem „Mas Vinson“ das erste Mal getroffen. Bereits in den 80er-Jahren hatte er sich mit seiner Frau Nora diesen alten Winzer-Bauernhof gekauft und mittels stilvollen Renovationen zum kleinen Ferienparadies mit mehreren Ferienwohnungen ausgebaut. Schon bei der ersten Begegnung hat mich seine unbändige, quirlige Art fasziniert. Sogleich haben wir uns abends beim Gigot-Essen in Diskussionen über Tanzgeschichte, Entwicklung, Trends und unzählige spannende Anekdoten verloren. Bereits in den Jahren zuvor hatte ich mich immer wieder mit der Tanzgeschichte und mit den historischen Persönlichkeiten befasst. Darauf basierte meine langjährige Faszination für das historische Blackpool-Festival. Nun hatte ich einen noch leidenschaftlicheren Gesprächspartner gefunden, der mich sofort in den Bann zog.

_pk35709In all den Jahren ist Walti Kaiser für mich ein enger Freund geworden. Als Familie durften wir bei ihm in Moulézan schon über zehn mal Ferien geniessen. 2015 hat es uns sogar im Frühling und Herbst zu Walti nach Südfrankreich gezogen.
Täglich haben wir uns für 1-2 Stunden zusammengesetzt um all seine alten Bilder, Dokumente und seine Geschichten durchzugehen. Seine Anekdoten über Erlebnisse mit anderen historischen Zeitgenossen wie Guy Howard, Alex Moore und weiteren Persönlichkeiten waren für mich faszinierend.

Ebenso beeindruckend war, dass er sich auch nach seiner Tanzkarriere immer wieder in verschiedene Musikstile eingearbeitet hat. Rhythmus- und Melodie-Interpretationen haben ihn immer gepackt, gleich in welcher Tanzart.

Aber auch seine Altersweisheit, rückblickend zu sagen: „Weisst du Reini, ich habe auch viele Fehler gemacht, ich war manchmal auch ein richtiger Ludi!“ Auf ein langes Leben mit vielen verschiedensten Phasen zurückzublicken und auch klar zu sagen, da und da hätte ich es besser machen können. Das würde ich heute anders machen. Das hat mich sehr beindruckt.

Seine Neugierde für Neues hat mich immer wieder verblüfft. Wir haben jeweils seine alten Tanz-Bilder und meine neuen. aktuellen Tanzsportbilder diskutiert. Er wollte immer wissen: Wie machen die das?
Auch mit Katharina hat er dann neue Techniken diskutiert und wollte dann aber Bewegungen und Haltungen mit ihr auch kurz ausprobieren.

Seine Leidenschaft, sein Engagement und seine Offenheit für Neues haben ihn durch sein intensives Leben geführt. Er wusste für sich aber auch immer, wann es Zeit war, etwas neues zu Entdecken.

Ich werde die Zeit mit Walti sehr vermisssen.

 

 

_d717213Bis vor 2-3  Jahren hat Walti noch immer täglich in seinem Mas Vinson getanzt. Die grosse Scheune hat er sich bereits früher in einen stimmungsvollen Tanzsaal umgebaut. Schon während seiner Tanzkarriere hatte ihn das Tangotanzen und die verschiedenen musikalischen Einflüsse fasziniert. Er hatte sich früh in Paris um die Ursprünge und die verschiedenen Einflüsse des Tangos und des Paso Dobles interessiert. Mit grosser Leidenschaft hat er sich nach dem aktiven Turniertanzen, in den Tango Argentino gestürzt. Endlich konnte er Tanzen nur für sich und seine Partnerin. Wettkämpfe und Bewertungen waren für ihn nicht mehr relevant. Turniere sah er nun eher als Einschränkung des persönlichen Tanzempfindens an.
Während vielen Jahren hat er mit Erika Hansen, die zwischenzeitlich bei ihm nach Südfrankreich lebte, täglich den Tango genossen. Zahlreiche Milongas hat er in der Region besucht und viele Trainer für Workshops und Tanzwochen in sein Mas Vinson gelockt.

_d717183Aufgrund seiner altersbedingten körperlichen Einschränkungen musste er in den letzten Jahren lernen auf das Tanzen zu verzichten „Weisst du, ich habe nun nicht mehr genügend Körperspannung. Dadurch kann ich die Damen nicht mehr so führen wie ich es will. Sie können meine Führung nicht mehr spüren wie es notwendig wäre. Und so macht es mir einfach keinen Spass mehr.“ hat er mir erzählt. „Ich habe doch so tolle Erinnerungen und Gefühle an das Tanzen! Die will ich mir nun nicht zerstören. Ich bin doch froh, dass es mir sonst noch gut geht!“
Seit einigen Jahren spielt er daher regelmässig Schach mit Damen aus der Region. „Das fordert mich weiterhin, so kann ich auch im Kopf fit bleiben.“ erzählte er mir noch letztes Jahr.

 

In all den Jahren unserer Freundschaft hat er mir viele „Tanzgeschichten“ erzählt. Ich habe versucht diese Erinnerungen zu Papier zu bringen und werde sie mit Waltis Einverständnis in mehreren Teilen hier auf dance! publizieren. Viele Stationen und viele Personen sind auch in der oben erwähnten Hommage von Evelyne & Michael Scherer enthalten.
Die Anekdoten sind oft die persönlichen Geschichten drum herum… Es sind Waltis persönliche Rückblicke auf seine Erlebnisse. Die Berichte erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und geschichtliche Korrektheit. Es sind seine ganz persönlichen Sichtweisen.

 

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