Tanzen mit dem Rollator

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Tanzen im Alter soll unmöglich sein? Von wegen! Das dachten sich drei ZHAW-Studentinnen, die sechs Tanzstunden für Senioren organisierten. Sogar Teilnehmer mit Rollator konnten beim Programm mitmachen.

Durch Tanzen das allgemeine Wohlbefinden verbessern – das war das Ziel des Projekts Tanzheimer. Dieses wurde von den Ergotherapie- Studentinnen der ZHAW in Winterthur Tabea Eichelberger, Celia Schneider und Melina Brunner durchgeführt. Sie gestalteten letzten Herbst sechs Tanzstunden für die Senioren des Gustav Benz Hauses in Basel. Damit wollten die Studierenden das Vorurteil, dass ältere Menschen nicht mehr tanzen können, aus der Welt schaffen. «Tanzen hat den umfangreichsten Effekt auf die Gesundheit, da es das Gleichgewicht fördert, die Muskelkraft stärkt und es die Menschen psychisch positiv beeinflusst», ist Tabea Eichelberger überzeugt.

 

Senioren schwingen das Tanzbein

Sechs Frauen und ein Mann zwischen 60 und 89 Jahren nahmen an den Tanzstunden teil. Darunter hatte es auch Senioren, die mit dem Rollator unterwegs waren oder einen Stock zum Gehen benötigen. «Es war uns wichtig, dass alle mitmachen können. Deshalb probierten wir vor dem Kurs aus, ob man mit einem Rollator tanzen kann. Wir passten dann die Schritte so an, dass alle mittanzen konnten», so die 23-jährige Melina Brunner. Zudem bauten die Studentinnen immer genügend Pausen ein und erkundigten sich stets nach dem Wohlbefinden der Senioren.

 

Celia Schneider, Melina Brunner und Tabea Eichelberger (von links) gelang es, das Wohlbefinden der Senioren durch Tanzen zu verbessern.

Celia Schneider, Melina Brunner und Tabea Eichelberger (von links) gelang es, das Wohlbefinden der Senioren durch Tanzen zu verbessern.

 

«Es war unglaublich, wie motiviert die Teilnehmer waren», erzählt die 22-jährige Celia Schneider. «In einer Salsa-Stunde sagte eine ältere Dame, dass sie Rock ’n’ Roll bevorzugen würde. Also liessen wir eines dieser Lieder laufen. Plötzlich fingen alle an, sich mit einer riesigen Begeisterung zur Musik zu bewegen.»

Dass Tanzen einen positiven Einfluss auf das Gemüt und die Gesundheit hat, weiss Tabea Eichelberger aus eigener Erfahrung. Die 30-Jährige tanzt für ihr Leben gern. «Seit fünf Jahren beschäftige ich mich mit lateinamerikanischen Tänzen wie Bachata, Salsa und Tango.» Celia Schneider und Melina Brunner teilen diese Leidenschaft. «Ich wuchs mit Tanzen auf. Früher ging ich ins Ballett und heute steppe ich, tanze Hip-Hop oder Jazz», erzählt Celia Schneider aus Winterthur. Die Dritte im Bunde kann sich besonders für Rock ’n’ Roll und ChaCha-Cha begeistern. «Als Celia und ich von Tabeas Idee hörten, wollten wir uns sofort anschliessen», erinnert sich Melina Brunner.

 

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Bedürfnisse der Senioren

Den Studentinnen war aus ergotherapeutischer Sicht wichtig, die Bedürfnisse der Teilnehmer in den Mittelpunkt zu stellen. Deshalb durften die älteren Personen die Tanzstile selber auswählen. «Vor der ersten Tanzstunde organisierten wir eine Infoveranstaltung, bei welcher wir Videos der verschiedenen Richtungen zeigten. Zur Auswahl standen Bachata, Salsa, Tango, Merengue, Rock ’n’ Roll, Hip-Hop und Cha-Cha-Cha. Die Senioren entschieden sich für Rock ’n’ Roll und Salsa», berichtet Tabea Eichelberger. Auch mit Hilfe eines Fragebogens zu ihrem Wohlbefinden gingen die Studierenden auf die Teilnehmer ein. Ein weiteres ergotherapeutisches Element im Projekt war, das Programm auf die älteren Menschen anzupassen. Deshalb fand die ursprünglich geplante Endaufführung nicht statt. «Wir bemerkten schon beim ersten Besuch im Gustav Benz Haus, dass eine Aufführung mit nur sechs Tanzstunden nicht möglich ist», erzählt Melina Brunner. Zudem wollten die Studentinnen nicht, dass sich die Teilnehmer unter Druck gesetzt fühlen. Als Alternative drehten die drei Frauen einen Film über das Projekt. Erinnerungen und Fortschritte sollten so festgehalten werden. Ziele erreicht Die Rückmeldungen der älteren Menschen waren immer positiv. Begeistert erzählt Celia Schneider: «Die Teilnehmer freuten sich riesig, dass sich jemand für sie Zeit nimmt und ihnen etwas beibringt.» Melina Brunner fährt fort: «Es war schön für sie, eine Abwechslung zum Altersheim-Alltag zu haben.» Das Projekt Tanzheimer fand auch bei den Angehörigen sowie den anderen Altersheimbewohnern ein positives Echo. Eine Verwandte eines Teilnehmers war überzeugt, eine Verbesserung im Wohlbefinden bemerkt zu haben. Auch die ZHAW-Studentinnen sind der Meinung, ihre Ziele erreicht zu haben. In der letzten Tanzstunde mussten die Teilnehmer erneut einen Fragebogen ausfüllen. «Die Auswertung zeigte ein besseres Wohlbefinden bei allen Senioren. Vor allem der psychische und soziale Bereicht hat sich verbessert», weiss Melina Brunner. Rückblickend können die drei mit Stolz sagen, dass das Projekt gelungen ist. «Die Teilnehmer haben die Stunden nicht als Behandlung angesehen, das ist schön. Zudem konnten die Senioren ein wenig in Erinnerungen ihrer Jugendzeit schwelgen, als sie selbst noch tanzten», erzählt Tabea Eichelberger.

Carla De-Vizzi

 

Bericht mit freundlicher Genehmigung vom Winterthurer Stadtanzeiger

Bilder: mth./pd.

123 2 Comments on “Tanzen mit dem Rollator

  1. Ich habe mit grossem Interesse den Artikel „Tanzheimer“ gelesen. Gratuliere, bravo, toll dieses Projekt!
    Werden sie das weiterführen?
    Selber gebe ich Country Line Dance Unterricht. Meine SchülerInnen sind zw. 18 und 60 Jahre alt.
    In unserem Altersheim würde ich auch gerne so etwas anbieten und wäre an ihrem Fragebogen interessiert. Ich habe mich bei der Pro Senectute der Region gemeldet. Sie bieten nichts derartiges an auch keine Kurse für TanzleiterInnen. Sie haben mir geraten hier in Wattenwil BE auf „eigene Faust“ etwas anzubieten. Mmhmmm! An einen Austausch von Erfahrungen wäre ich interessiert, falls ich so etwas starte.
    Glg Simone

  2. Liebe Ergotherapie-Studentinnen der ZHAW

    Super, was ihr da geleistet habt. Auch ich bin überzeugt, dass Tanzen (oder überhaupt eine Beschäftigung) für die Gesundheit höchst hilfreich ist und erst noch das mit Administrationsaufgaben überlastete sogenannte ‚Pflege‘-Personal entlastet. Es ist eigentlich ein Hohn, was heute in unseren Pflege- und Altersheimen geschieht. Das Pflegepersonal wird durch immer mehr Aufgaben im administrativen Bereich zunehmend daran gehindert, Zeit für ihre eigentliche Aufgabe, nämlich die Pflege der älteren Menschen, zu verwenden. Der ältere Mensch im Alters- oder Pflegeheim dient länger je mehr nur noch der Gewinnoptimierung und dazu, einen Wasserkopf an Administration zu unterhalten.
    Macht weiter so. Ihr seid auf dem richtigen Weg.
    Herzliche Grüsse
    Elisabeth Haselbacher
    Schartenstrasse 52
    5430 Wettingen

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